
Der wichtigste Rosenzüchter weltweit hat seine Heimat in Sparrieshoop in
Schleswig-Holstein, wenige Kilometer nördlich von Hamburg. Seit über 100
Jahren züchten Wilhelm Kordes Söhne die Königin der Blumen
. Über
mehrere Generationen hinweg belieferte der Familienbetrieb die Gärtnereien
der Umgebung. Heute ist Kordes vor allem in Übersee tätig. Die Firma hat
sich völlig vom deutschen Markt unabhängig gemacht und beliefert
Rosenproduzenten vor allem in Afrika und Lateinamerika mit ihren Züchtungen.
Besonders in Kenia, dem wichtigsten Rosenexportland, ist Kordes präsent.
Mehrmals im Jahr fliegen die Kordes an den Naivashasee, dem Zentrum des
kenianischen Rosenanbaus.
Inzwischen haben sich fast hundert Rosenfarmen rund um den See
angesiedelt, die täglich Millionen Rosen für den Export produzieren - unter
oftmals fragwürdigen Bedingungen. Die Arbeiter werden meist mit 30
bis 40 Euro im Monat bezahlt. Das ist auch in Kenia zu wenig, um davon eine
Familie zu ernähren. Die Arbeiter klagen zudem über den dauernden Einsatz
von Pestiziden, der bei ihnen immer wieder zu schweren gesundheitlichen
Schäden führe.
Der Naivashasee, so erzählen Umweltschützer, ist von den Rosenfarmen und
den wilden Arbeitersiedlungen, die um die Farmen entstanden sind, ruiniert.
Der Wasserspiegel ist gesunken, das Wasser durch die Abwässer aus den Farmen
nicht mehr trinkbar.
Ein Team um Autor Michael Richter hat sich auf den Weg gemacht, um der
Spur der Rosen zu folgen. Von der Züchtung in Sparrieshoop über die
Rosenfarmen am Naivashasee bis zur Vermarktung auf der größten Blumenauktion
der Welt im holländischen Aalsmeer. Bei dieser Spurensuche zeigt
sich deutlich, wer von dem globalen Geschäft mit Schnittrosen profitiert -
und wer zu den Verlierern gehört. Die deutschen Gärtner haben
keine Chance
, erklärt John Kordes. Die Energie ist bei uns viel zu
teuer und niemand kann die Mengen produzieren, die heute auf dem Markt
gefragt sind.
Davon kann Werner Buhk ein Lied singen. Der Rosengärtner in Vierlanden
vor den Toren Hamburgs besaß eine der größten Rosengärtnereien Deutschlands.
An die hundert Leute arbeiteten bei Buhk. Aber gegen die Konkurrenz aus
Kenia kam er nicht an: Wir haben jetzt hier alles runtergefahren. Es
macht keinen Sinn mehr
, zuckt Werner Buhk die Achseln. Wir haben
jetzt nur noch unseren Stand auf dem Großmarkt. Dort verkaufen wir
importierte Ware aus Übersee, das rechnet sich, aber unsere Ware können wir
vergessen.
- Eine Familientradition geht zu Ende.
Ein Film von Michael Richter